Die Gerichtsverhandlung

 

 

Mitwirkende:

 

1. Richter: Gottfried B.

2. Gerichtsdiener: Rudi S.

3. Steno- oder Maschineschreibende : Erika N.

4. Zeichner: Hermann S.

5. Schöffinnen: Irmgard und Gisela

6. Vorsitzende des Untersuchungsausschusses: Sieglinde L.

 

Beweisstücke, die der Gerichtsdiener dem Richter vorlegt:

 

Beweisstück Nr. 1: ein Foto von Gerd M.

Beweisstück Nr. 2: ein abgerissenes Notenblatt von Hans-Georg B.

Beweisstück Nr. 3: eine zerknitterte Fahrkarte von Erika N.

Beweisstück Nr. 4: Süßigkeit(eine Tüte Harribo), Mandola-Droge (Hans-Heinrich L.)

Beweissück Nr. 5: eine kleine Ecke von einem  Plektrum von Karin Z.-S.

Beweisstück Nr. 6: ein 20.– DM-Schein von Karin Z.-S.

Beweisstück Nr. 7: ein kleines Stück von einem abgebrochenen Taktstock von Andreas P.

 

 

Gerichtsdiener:

„Heute wird in Sachen HMO ermittelt. Zu der Angelegenheit liegen uns mehrere Straftaten vor. Geladen wurden zur Anhörung und Verteidigung:

 

- Gerhard M.,

  Verwandter von Herrn Novalis,

  amtierender 2. Vorsitzender, jetziger Wohnsitz: Golfplatz

 

- Hans-Georg B.,

  Instrumenten-Liebhaber, 1. Vorsitzender a.D., Anekdotenerzähler

 

- Erika N., Zollbeamtin und Schriftführerin beim HMO,

  Sitzungsteilnehmerin

 

- Hans-Heinrich L., wohnhaft in der Heide, amtierender Chef mit mobilem

  Büro ohne Sekretärin, Anlagenberater

 

- Karin Z-S.,

  Konzertmeisterin, Mutter, Musiklehrerin u.a.

 

- Andreas P.,

  Dirigent des HMO, Kabinettbesitzer, Taktstockzerstörer (in Insiderkreisen „Pauly der Gnadenlose“ genannt.)

 

Gerichtsdiener:

„Die Verhandlung «EURO-KULTURBEHÖRDE GEGEN HMO» wird hiermit eröffnet. Bitte erheben Sie sich für das hohe Gericht!„

 

Richter:

„Ich rufe den Angeklagten Gerhard M. auf!“

 

Richter:

„Bitte schwören Sie die reine Wahrheit zu sagen, so wahr Ihnen Gott helfe!“

 

Gerhard M.:

 „Ich schwöre“

 

1. Richter:

„Bitte geben Sie uns Auskunft über Ihre Herkunft, Konfession, Berufserfahrungen und andere Fähigkeiten.“

 

2. Richter:

„Bitte bringen Sie mir das Beweistück Nr. 1 (ein Foto, auf dem Gerhard die Mandoline falsch rum hält)“

Laut Gerichtsunterlagen handeln Sie sehr fahrlässig und verleiten die anderen Mitspieler zur Unachtsamkeit, weil Sie ständig das Instrument entgegengesetzt zu Ihren Mitspielern halten. Geben Sie uns eine plausible Erklärung dafür!“

 

3. Richter:

„Im Orchester werden Sie auch „Mandolinen-Polizist“ genannt, da Sie jede Verstimmung erkennen. Kopf nach links, Kopf nach rechts und sofort wissen Sie, aus welcher Ecke die falschen Töne wehen. Sie fungieren auch als CO-Dirigent. Wie ist Ihr Stundenlohn für diese Honorartätigkeit? Antworten Sie bitte klar und deutlich!“

 

4. Richter:

„Vor einigen Jahren spielten Sie ein so hervorragendes „Pizz“ in der «Arie di Corte», dass Sie dafür öffentlich gewürdigt wurden Sie haben zu der damaligen Zeit Unmengen Pizzas verschlungen. Konnten Sie Ihre Leistungen beibehalten ohne die Nahrungsmittelindustrie zu schädigen?“

 

Richter:

„Herr Angeklagter, Sie betreiben eine Schleichwerbung für einen Ort in Tirol.

Welche zu versteuernden Mittel erhalten Sie dafür?“

 

 

Urteilsspruch:

 

„Angeklagter, Sie werden als Strafe für Ihre Untaten das Lied „La Paloma„- Ein Wind weht von Süd... singen! Die Strafe ist sofort abzuarbeiten!“

 

Richter:

„Gerichtsdiener führen Sie bitte den nächsten Angeklagten Hans-Georg B. herein!

 

Gerichtsdiener bringt den Angeklagten herein.

 

„Hans-Georg B., heben Sie die rechte Hand und sprechen Sie mir nach: Ich schwöre die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit zu sagen, nichts zu beschönigen und nichts zu verschweigen, so wahr mir Gott helfe.“

 

Hans-Georg B.:

„Ich schwöre!“

 

1. Richter:

„Wie uns zu Ohren gekommen ist, waren Sie jahrzehntelang Vorsitzender des Vereins. Diese Aufgabe erfüllten Sie mit Bravur, Ihre Worte: «Hier spricht der Vorstand» «Hier spricht der Vorstand» haben sich in die Herzen der Mitglieder verewigt.

Aus welchen ernsthaften Gründen sind Sie von diesem Amt zurückgetreten?“

 

2. Richter:

„Ich bitte um das Beweisstück Nr. 2,

Aha, ein abgerissenes Notenblatt aus einem Liederbuch,

Zusammengetragen in mühevoller Nachtarbeit von Hans-Georg B., Lieder wie „Heut kommt der Hans zu mir, freut sich die–… (der Name ist leider unleserlich)

oder „Wenn alle Noten sprießen, so muss man trinken“. Der Vorgeladene möchte bitte Stellung nehmen zu solch unkeuschem Liedgut.“

 

3. Richter:

„Seit Dezember fungieren Sie ehrenamtlich als Notenpolizist. Bei der geringsten Abweichung der Gebärden des Dirigenten mit dem Notenmaterial, verlassen Sie Ihren Platz während der Probe und kontrollieren die Partitur. Beabsichtigen Sie zukünftig auch die Führerscheine zu kontrollieren? Antworten Sie ohne Umschweife!“

 

4. Richter:

„Zu Ihrer Ausrüstung gehören Xylophon, Rasseln, Glockenspiel, Pauke; Triangel, Bongo, Holzblocktrommeln und manchmal benutzen Sie auch ein schiefes Becken. Das HMO kann sich wirklich glücklich schätzen, dass Sie so vielseitig sind. Wie wir hörten, haben Sie so viele Instrumente, weil Sie angeblich einen Kinderspielplatz leergeräumt haben. Schildern Sie uns den Tathergang, wann, wo und wer waren Ihre Helfershelfer“

 

5. Richter:

„Wie ich gerade sehe, wird Ihnen vereinswidriges Verhalten vorgeworfen- zum Glück ist die Angelegenheit schon verjährt. Ungefähr im Herbst 1997- das HMO zupfte „Unter der Dorflinde“ bei dem Lied „Und der Hans schleicht umher“ legten Sie ihr Instrument beiseite, schlichen zum Bierkasten, nahmen eins und tranken- und das alles während der Probe.

Erläutern Sie uns Ihre Motive!

Ihre Straftaten haben ein ziemliches Ausmaß! Sie werden unverzüglich Reue zeigen unter der Linde! (Lied: Und wieder blüht die Linde!)“

 

Richter:

„Gerichtsdiener, führen Sie die Angeklagte Erika N. herein!“

 

Unter uns:

Dieses wird eine schwierige Verhandlung, denn es handelt sich um die Mutter eines berühmten Hamburger Juristen, jur. Triks

 

Gerichtsdiener:

„In den Zeugenstand wird Erika N. gerufen!

Schwören Sie die reine Wahrheit zu sagen…“

 

1. Richter:

„Sie sind nicht nur Schatzmeisterin des Norddeutschen Landesverbandes, Schriftführerin beim HMO, Gitarre und Mandolinenspielerin, Inhaberin des Dirigierscheines. Bitte erklären Sie uns, warum Sie einen persönlichen Chauffeur haben, der rund um die Uhr für Sie im Einsatz ist!“

 

2. Richter:

„Durch Ihre vielen Funktionen, haben Sie Zugang zu sehr internen Informationen, die sonst nicht so leicht zu beschaffen sind . Und so können Sie uns sicherlich Auskunft über folgenden Sachverhalt geben: Das Mandolinenorchester nahm 1997 an den Bundesmusikfestspielen in Gera teil. Wie konnte es passieren, dass so ein betagtes Orchester in einer Jugendherberge untergebracht wurde?“

 

Richter:

„Ich bitte um das Beweisstück Nr. 3 (Abgerissene Fahrkarte)“

 

3. Richter:

„Im Mai diesen Jahres - das Orchester war wieder zu den Bundesmusikfestspielen, (Seltsam, das scheint ein gutes Orchester zu sein) dieses Mal in Karlsruhe und da trug es sich zu, dass Sie noch eine angebliche Sitzung in Karlsruhe hatten und deshalb auf die gemeinsame Busheimfahrt mit dem HMO verzichteten.

Meines Erachtens nach, können Sie gar nicht an der Sitzung teilgenommen haben, denn wie ist es dann möglich, dass Sie vor dem Orchester in Hamburg waren. Erläutern Sie wahrheitsgemäß die Geschehnisse!“

 

Richter:

„Frau Erika N., dass was Sie zu Ihrer Verteidigung vorbrachten, befreit Sie nicht von einer Strafe.

Da die Prozesskosten sehr hoch sind, ist es besser wenn Sie gleich die Strafe annehmen.

Entweder „Kein Tropfen mehr im Becher oder „Ja, ja der Wein ist gut„

 

Richter:

„Gerichtsdiener, führen Sie den nächsten Angeklagten herein!“

 

Gerichtsdiener:

„Angeklagt wegen Ruhestiftung und Verwirrung von Behörden ist heute Hans-Heinrich L.!

Bitte sprechen Sie mir nach: Ich schwöre die reine Wahrheit…“

 

Richter:

„Bitte schildern Sie uns, warum Sie ein mobiles Büro ständig mit sich führen, mehrere große Reisetaschen und Aktenmappen, Unmengen von kopierten Dokumenten, in Hamburg wohnen, jedoch ein großes Auto mit ausländischem Autokennzeichen fahren? Antworten Sie kurz und knapp!“

 

Richter:

„Ist das richtig, dass Sie früher als Seemann die Weltmeere unsicher gemacht haben und danach endlich die Möglichkeit hatten, fast regelmäßig die Orchesterproben beizuwohnen?“

 

Richter:

„Innerhalb kurzer Zeit konnte das Orchester zweimal sehr gut beim Landeswettbewerb abschneiden. Laut einer Zeugenaussage , nur deshalb, weil so viele Mandolenspieler im HMO mitwirken, die systematisch von einer Mandolendroge vollgepumpt werden. Trifft das zu?“

 

Richter:

„Ich bitte um das Beweisstück Nr. 4 - eine Lakritztüte von Haribo”

 

Richter:

„Vor ungefähr drei Jahren, im Winter, es schneite nicht, kurz vor Ende der 1. Halbzeit sind Sie einfach aufgestanden, um ein Bier zu holen. Ähnliches wiederholte sich sehr oft und es wird nicht einfach sein, mildernde Umstände zu erwirken. Was haben Sie dazu zu sagen?“

 

Richter:

Herr Hans-Heinrich L., Sie sind mehrfach als Wiederholungstäter identifiziert worden.

Der Urteilsspruch lautet: „Fohr mi mol rüber…“

 

Richter:

„Die nächste Angeklagte, Frau Karin Z-S.!“

 

Gerichtsdiener:

„Angeklagt wegen sehr verdächtiger Vergehen ist nun die Konzertmeisterin des HMO Karin Z-S., wohnhaft in Curslack. Bitte Sprechen Sie mir nach: Ich schwöre…“

(Als Verteidigerin fungiert Frau Flöte)

 

Richter:

„Sie sind seit vielen Jahren Konzertmeisterin des HMO. Berichten Sie uns, was für Aufgaben Sie haben.“

 

Richter:

„In den 90-igern Jahren spielten das John Baston Konzert Nr. 2 auf der Flöte, sehr schnell dafür gibt es genügend Zeugen, Abstreiten ist sinnlos. Nun würden wir gern wissen, wie sie heimlich die viele Luft in die Flöte geschmuggelt haben?“

 

Richter:

„Während eines sehr wichtigen Konzertes zerstörten Sie mutwillig ein Plektrum und tremolierten einfach mit einer kleinen Ecke weiter. Dadurch wurde das Ansehen des HMO von Ihnen geschadet. Nehmen Sie bitte dazu Stellung!“

 

Richter:

„Ich bitte um das Beweisstück Nr. 5“

 

Richter:

„Im Dezember 1996 spielte das Orchester in der Kirche Strassburger Platz ein so hervorragendes Tremelo. Das war einmalig. Wie erklären Sie sich diese Glanzleistung?“

 

5. Richter:

„Sie kennen sich ja sehr gut aus mit dem Computer, errechneten sehr schnell und präzise das Durchschnittsalter der HMO-Mitglieder. So wissen Sie auch, dass die Instrumente von allen Spielern einen ungefähren Wert von einer Viertel Million haben. Bei dieser Summe könnte man schon leichtsinnig werden. Trotzdem ist ihr Verhalten strafauffällig, denn Sie wollten an einem ganz normalen Tag ihre Nase mit einem 20,00 .— DM -Schein putzen. Was können Sie zu Ihrer Rechtfertigung sagen?“

 

„Frau Karin Z-S., hoffentlich lassen Sie nicht auf weitere Straftaten ein!

Sie werden sofort verpflichtet, einige Takte aus Baston-Konzert zu spielen ohne Ihre Schmuggelaktivitäten!

 

Richter:

„Der nächste Angeklagte Herr Andreas P.!“

 

Gerichtsdiener:

Sie, Andreas P. sind angeklagt wegen eines umstrittenen Lebenswandel, Langschläferei und langbeiniger Intrigen!

Bitte sprechen Sie mir nach: Ich schwöre die Wahrheit…“

 

1. Richter:

„Sie sind also der Chef von der ganzen Bande. Nennen Sie Ihren Namen, Alter und Schuhgröße! Und seit wann Sie bei den Machenschaften des Orchesters mitwirken?“

 

2. Richter:

„Als Dirigent haben Sie die schwere Aufgabe das HMO taktfest zu höheren Spielleistungen zu bringen. Welche Mittel wenden Sie an, damit das Orchester so spielt, wie Sie Dirigieren? Ich bitte um Beweistück Nr. 6 (Eine abgebrochene Ecke vom Taktstock) Sie Herr Andreas P. haben innerhalb von sieben Jahren vier wertvolle Taktstöcke böswillig zerstört. Schildern Sie die Gründe!“

 

3. Richter:

„Wie wir hörten, haben Sie eine Praxis, in der Sie Haltungsuntersuchungen durchführen, die Krallen der Spieler überprüfen , Lagenbesprechungen praktizieren und vieles mehr.

Wir möchten nun wissen, wo sich Ihr Kabinett befindet und ob Sie auch ins Haus kommen?“

 

4. Richter:

„Im Orchester sind 21 Mandolinenspieler, 7 Mandolenspieler, 12 Gitarrenspieler. Nun eine Gewissensfrage, wie viel Bässe gibt es! Wegen Befangenheit brauchen Sie nicht antworten.“

 

5. Richter:

„Nach Ihrem Jahresurlaub verkündeten Sie im Orchester feierlich ,dass Sie diesem nun wieder in Ihrer vollen Größe für ein Jahr zur Verfügung stehen. Kurz darauf legten Sie sich mit Angina ins Bett. Wieso erfüllten Sie nicht Ihr Gelöbnis und wie wollen Sie das wieder gut machen?“

 

6. Richter:

Während der Proben atmen Sie manchmal schwer, dann leicht zwischendurch stöhnen Sie. Haben Sie schon einen Hals- Nasen-Ohrenarzt aufgesucht? Hat das mit einer Ihrer Musikrichtungen „Schmusando“ zu tun?“

 

„Herr Andreas P., Ihr Strafmaß ist nicht gering. Aus diesem Grunde sind Sie verurteilt, die Oboenstimme von der h-moll- Overtüre zu singen! (Eventuell genügt auch mittwochs eine Flasche Korn!)“

 

Gerichtsdiener: (klopft dreimal)

„Bitte erheben Sie sich zur Urteilsverkündung!“

 

1. Richter:

“Das Euro-Amtsgericht unter der Leitung von Gottfried B. verhängt heute am 16.12.2000 folgenden Urteilsspruch:

 

Die heute Vorgeladenen und Angeklagten sowie das gesamte HMO ist verpflichtet in Zukunft das zu zupfen, was in den Noten steht. Bei Nichteinhalten droht Freiheitsentzug!

 

Aus - basta - die Verhandlung ist beendet!“

 

 

 

Quelle: THEZ