Lexikon der

Komponisten

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Beethoven, Ludwig van;

 

*17. Dezember 1770 in Bonn; † 26. März 1827 in Wien) war ein Komponist der Wiener Klassik. Er gilt als der Komponist, der die Musik dieser Stilepoche zu ihrer höchsten Entwicklung geführt und der Romantik den Weg bereitet hat.

Ludwig van Beethoven wuchs in einer Musikerfamilie auf. Vorfahren seines Vaters waren Bauern und Handwerker aus dem flämischen Mecheln. Das niederfränkische „van“ in seinem Familiennamen deutet die Namensherkunft an, wahrscheinlich aus dem ländlichen Betuwe. Beethovens Großvater väterlicherseits hieß ebenfalls Ludwig van Beethoven und war in Bonn kurkölnischer Kapellmeister. 1740 wurde sein Sohn Johann geboren, der als Tenor in der Bonner Hofkapelle sang. Die Mutter L. v. Beethovens, die aus Ehrenbreitstein stammende Maria Magdalena Keverich, kam am 19. Dezember 1746 als Tochter eines kurfürstlichen Leibkochs zur Welt. Am 17. Dezember 1770 wurde in der Remigiuskirche in Bonn ihr drittes Kind, der zweite Sohn in zweiter Ehe, getauft und als „Ludovicus van Beethoven“ in das Taufregister eingetragen. Sein Geburtshaus befindet sich in der Bonngasse 20. Beethovens Vater war von dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart beeindruckt, der schon mit sechs Jahren als Komponist auftrat und als Wunderkind galt. Mit dem Ziel, aus Ludwig ebenfalls ein Wunderkind zu machen, begann der Vater, ihn im Klavierspiel zu unterrichten. Auch Orgel und Klarinette erlernte der junge Beethoven.

Als er mit vermutlich fünf Jahren an einer Mittelohrentzündung erkrankte, bemerkten die Eltern dies nicht. Die Erkrankung heilte nicht richtig aus und gilt als eine der Ursachen für die später eintretende Taubheit.

Kollegen von Beethovens Vater am Bonner Hof erkannten Ludwigs Begabung und sorgten dafür, dass der Vater sich schließlich entschloss, die weitere musikalische Ausbildung seines Sohnes in die Hände von anderen Musikern zu legen. Zu Beethovens bekanntesten Förderern und Lehrern in Bonn zählten in den nächsten Jahren Christian Gottlob Neefe (Klavier, Orgel und Komposition) und Franz Anton Ries (Violine). 1782 war es Neefe, der als erster Werke Ludwigs veröffentlichte – so die „Variations pour le Clavecin sur une Marche de Mr. Dressler“. Im selben Jahr wurde Beethoven Neefes Vertreter als Hoforganist. Eine feste Anstellung als (bezahlter) Hoforganist erhielt er im Alter von 14 Jahren. In der vorzüglichen Bonner Hofkapelle spielte er Bratsche, während er sich gleichzeitig im Klavierspiel immer weiter ausbildete. Auch als Komponist war er tätig; jedoch blieben die meisten in dieser Zeit entstandenen Frühwerke ungedruckt oder wurden in späteren Kompositionen verarbeitet.

 

Im Jahr 1787 kam Beethoven das erste Mal nach Wien. In der Tasche hatte er ein Empfehlungsschreiben des in Bonn residierenden Kölner Kurfürsten Max Franz, des jüngsten Bruders des Kaisers Joseph II. Beethovens Ziel war es, bei Wolfgang Amadeus Mozart zu studieren. Durch das Wirken vieler Komponisten, wie beispielsweise des bedeutenden Joseph Haydn, war die Residenzstadt des Erzherzogs von Österreich und Residenzstadt des römisch-deutschen Kaisers (Heiliges Römisches Reich deutscher Nation) zum musikalischen Zentrum Europas geworden. Dennoch war Mozart vom jungen Beethoven angetan. Dieser war in der Lage, aus dem Stegreif über ein Thema Mozarts Variationen zu spielen. Im Jahr 1789 begann Beethoven ein Studium an der Universität Bonn; schnell geriet er dort, insbesondere durch Eulogius Schneider, in Kontakt mit den Ideen der Französischen Revolution. Seine Begeisterung für die revolutionären Ideen spiegelt sich in seinen Werken wider. „Wohl tun wo man kann“, schrieb er 1793, „Freiheit über alles lieben; Wahrheit nie, auch sogar am Throne nicht verschweigen.“

Im November 1792 ging Beethoven nach Wien, um Schüler Haydns zu werden. Später nahm er auch Unterricht bei Schenk, Albrechtsberger und Salieri.

Mit 22 Jahren unternahm Ludwig van Beethoven eine zweite Studienreise nach Wien. Das Kurfürstentum fand 1794 durch die französische Invasion sein Ende, und somit auch Beethovens amtliche Stellung. Mozart war bereits gestorben, aber Joseph Haydn und Antonio Salieri nahmen Beethoven als Kompositionsschüler an, außerdem noch Johann Schenk und Johann Georg Albrechtsberger.

Als Künstler trat Beethoven 1793 erstmals vor die Öffentlichkeit, zunächst als Komponist mit der Herausgabe seiner drei ersten Trios (Op. 1) und der drei Haydn gewidmeten Klaviersonaten und zwei Jahre später als Pianist mit seinem 1. Klavierkonzert. Seine Kammermusik wurde als vollkommen neuartig bezeichnet. Er wurde darüber hinaus auch als Meister der Improvisation bekannt.

1796 unternam er eine Kunstreise nach Prag, Dresden und Berlin. Dort versuchte man ihn zu halten; da er sich aber in Wien als Künstler eine geachtete und gesicherte Stellung erworben hatte und in dieser ein reichliches Auskommen fand, blieb er seiner neuen Heimat jetzt und sein ganzes späteres Leben hindurch treu. Spätere Reisen als Virtuose wurden durch sein Gehörleiden unmöglich. Dieses harte Schicksal wirkte bestimmend auf Beethovens ganzen folgenden Lebensweg, da die künstlerisch gestaltende Tätigkeit von nun an immer ausschließlicher sein Leben ausfüllte und die ausübende in den Hintergrund trat. Seit etwa 1800 nahm sein Leben eine regelmäßige Gestalt an.

1809 erhielt er einen Ruf als Kapellmeister nach Kassel. Da taten sich mehrere seiner hochgestellten Gönner zusammen, unter ihnen sein Schüler Erzherzog Rudolf, um ihn durch eine lebenslängliche Rente an Wien zu binden.

 

Bis zum Jahre 1819 war Beethoven völlig ertaubt, so dass er selbst keine Konzerte mehr geben und auch nicht mehr dirigieren konnte. Gespräche führte er mit sogenannten „Konversationsheften“, was ausgesprochen mühselig war.

Durch eine besondere Behandlungsmethode des Wiener Arztes Vering fasst Beethoven wieder Mut. Dennoch komponierte er in Heiligenstadt die von Lebensfreude und Heiterkeit erfüllte 2. Sinfonie in D-Dur, deren Erfolg nur mäßig war.

 

Beethoven war nie verheiratet. Sein Erfolg in Wien brachte es mit sich, dass er dort von Frauen umschwärmt wurde. Er gab auch Unterricht, und viele seiner Schülerinnen waren sehr begabte Pianistinnen.

Er lernte die sehr junge Gräfin Julie Guicciardi (1784-1856), kennen und verliebte sich mit all seiner Leidenschaft in sie. So schrieb er voller Verzweiflung „Das Heiligenstädter Testament“.

Danach entstand die Klaviersonate Appassionata. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde Beethoven – er lebte nun im neuen Kaisertum Österreich – zu einem der berühmtesten Musiker Europas (zu seiner großen Bekümmernis war Gioacchino Rossini mit seinen Opern freilich populärer). Seine vom revolutionären Geiste erfüllten Sinfonien gehörten bald zum dauerhaften Bestand der verbreiteten Orchesterkonzerte.

Am 8. Dezember 1813 wurde die 7. Sinfonie mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt. Sie wurde 30 Jahre später von Richard Wagner als „Apotheose des Tanzes“ gelobt.

Während des Wiener Kongresses erkannte Beethoven, dass diese Zusammenkunft der Herrscher Europas nur zu weiteren Unterdrückungen führen sollte. Er schätzte die humanistischen und geistigen Werte eines Menschen. In seiner Jugend war er von Schiller begeistert, im späteren Leben wandte er sich Goethe zu, mit dem er auch einen Schriftwechsel führte und mit dem er sich im Juli 1812 in Teplitz traf. So vertonte er auch mehrere Werke Goethes, schrieb beispielsweise die Schauspielmusik zu Egmont.

Als 1815 einer seiner Brüder starb, übernahm er die Vormundschaft für dessen Sohn Karl. Bald stellte sich heraus, dass die Beziehung Beethovens zu seinem Neffen unter keinem guten Stern stand. Beethoven beendete 1823 eines seiner wichtigsten Werke, die Missa Solemnis (Uraufführung 1824 in St. Petersburg), die in ihrer Größe und Schönheit nichts von dem desolaten Umfeld erahnen lässt, in dem sie entstand. Beethoven mit seinen hohen und mitunter überzogenen moralischen Ansprüchen setzte seinen Neffen derart unter Druck, dass Karl 1826 einen Suizidversuch unternahm. Dieser scheiterte zwar, war für den Komponisten aber dennoch eine große Belastung, denn der Versuch der Selbsttötung war zu jener Zeit ein strafbares Delikt.

 

Im November 1826 erkrankte Beethoven akut nach langjährigem Leberleiden, klagte über Schmerzen im Unterleib, Appetitlosigkeit und Durstgefühle; sein Befinden verschlechterte sich rapide, und am 24. März 1827 reichte man dem Sterbenden die Sakramente. Am späten Nachmittag des 26. März verschied Beethoven im Beisein seiner Schwägerin Johanna und seines Freundes, des Komponisten Anselm Hüttenbrenner während eines Frühjahrsgewitters

 

Beethoven gilt heute als der Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik. Insbesondere in den für die Epoche der Wiener Klassik grundlegenden Formen der Sinfonie, der Klaviersonate und des Streichquartetts hat er Werke geschaffen, deren musikgeschichtlicher Einfluss kaum zu übertreffen ist. So legte Beethoven beispielsweise wichtige Grundsteine für die fortschreitende Einführung der Kategorie des Symphonischen in die Solokonzerte der weiteren Musikgeschichte. Auch eine immer weiterführende Konzentration von Sinfonien und Solokonzerten, sich von Quantität zu Qualität bewegend, kann Beethoven zugesprochen werden.

Werke (Auszug):

 

Sinfonien:

Sinfonie C-Dur op. 21

1. Sinfonie D-Dur op. 363

1.2.Sinfonie Es-Dur op. 55 „Eroica“

 

2.4.Sinfonie B-Dur op. 60

 

3.5.5. Sinfonie c-Moll op. 67 „Schicksalssinfonie“

 

4.6.6. Sinfonie F-Dur op. 68 „Pastorale“

 

5.7.Sinfonie A-Dur op. 92

 

6.8.Sinfonie F-Dur op. 93

 

7.9.Sinfonie d-Moll op. 125 mit Schlusschor über Friedrich Schillers Ode an die Freude

 

Wellingtons Sieg op. 91,

 

Klavierkonzerte:

Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur

Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15

Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19

Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37

Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58

Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73, „Kaiserkonzert“

 

Weitere konzertante Werke:

Romanze für Violine und Orchester

G-Dur op. 40

 

Romanze für Violine und Orchester

F-Dur op. 50

Violinkonzert D-Dur op. 61

 

Tripelkonzert für Klavier, Violine und Violoncello  C-Dur op. 56

 

Konzert für Oboe und Orchester F-Dur Hess 12

Chorfantasie: c-Moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester

 

Ouvertüren:

Die Geschöpfe des Prometheus c-Moll op. 43,

Coriolan-Ouvertüre c-Moll op. 62

Fidelio-Ouvertüre c-Moll op. 72

Leonoren-Ouvertüre Nr. 1 c-Moll op. 138

Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 c-Moll op. 72a

Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 c-Moll op. 72b

Egmont c-Moll op. 84

Zur Namensfeier op. 115

König Stephan op. 117

Die Weihe des Hauses op. 124

Fidelio bzw. Leonore op. 72

 

Oratorium

Christus am Ölberge op. 85

 

Messen

Messe C-Dur op. 86

Missa Solemnis D-Dur op. 123

Zur Inthronisation seines Schülers und Förderers Erzherzog Rudolf, Kardinalerzbischof von Olmütz.

 

Kantaten

Meeresstille und glückliche Fahrt für 4 Singstimmen mit Orchester op. 112

Nach Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe.

Der glorreiche Augenblick, Kantate für 4 Solostimmen, Chor und Orchester, op. 136

 

Lieder (Auszug)

An die Hoffnung op. 32 (1. Vertonung)

Elegie auf den Tod eines Pudels WoO 110

Sechs Gesänge op. 75

Kennst du das Land, Neue Liebe, neues Leben (2. Fassung), Aus Goethes Faust, Gretels Warnung, An den fernen Geliebten, Der Zufriedene

Drei Gesänge von Goethe op. 83

Wonne der Wehmut, Sehnsucht, Mit einem gemalten Band

Abendlied unterm gestirnten Himmel WoO 150

Ariette (Der Kuß) op. 128

Zahlreiche Volkslied-Bearbeitungen

 

Bühnenmusiken:

Egmont op. 84

Die Ruinen von Athen op. 113

König Stephan op. 117

 

Streichquartette

Sechs Streichquartette op. 18

Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1

Streichquartett Nr. 2 G-Dur op. 18 Nr. 2

Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18 Nr. 3

Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18 Nr. 4

Streichquartett Nr. 5 G-Dur op. 18 Nr. 5

Streichquartett Nr. 6 B-Dur op. 18 Nr. 6

Drei Streichquartette op. 59 ″Rasumovsky-Quartette″

Streichquartett Nr. 7 F-Dur op. 59 Nr. 1

Streichquartett Nr. 8 e-Moll op. 59 Nr. 2

Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 59 Nr. 3

Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 74 ″Harfenquartett″

Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 95

Streichquartett Nr. 12 Es-Dur op. 127

Streichquartett Nr. 13 B-Dur op. 130

Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131

Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132

Große Fuge B-Dur op. 133

Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135

 

 

Violoncellosonaten und Variationen

Op. 5 Nr. 1 F-Dur (Adagio sostenuto, Allegro – Allegro vivace)

Op. 5 Nr. 2 g-Moll (Adagio sostenuto e espressivo, Allegro molto piu tosto – Rondo:Allegro)

Sonate A-Dur, Op. 69 (Allegro, ma non tanto – Scherzo:Allegro molto – Adagio cantabile, Allegro vivace)

2 Sonaten Op. 102

Op. 102 Nr. 1 C-Dur (Andante, Allegro vivace – Adagio, Tempo d’Andante, Allegro vivace)

Op. 102 Nr. 2 D-Dur (Allegro con brio – Adagio con molto sentimento d’affetto – Allegro vivace)

 

Zwölf Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium „Judas Maccabäus“ G-Dur Kinsky-Halm WoO 45

Zwölf Variationen über das Thema „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ F-Dur op. 66

Sieben Variationen über das Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ Es-Dur Kinsky-Halm WoO 46

Sonate für Horn/Violoncello und Klavier, Op. 17 (Allegro moderato – Poco adagio, quasi andante – Rondo: Allegro moderato)