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Das Plektron

(Plectrum)

Das Plektron (Plektrum, Pick)

 

Der Begriff Plektron kommt aus dem Griechischen. Plektron (Plektrum - lateinisch) (Pick - englisch) heisst soviel wie Plättchen. Es ist aus Zelluloid, Schildpatt, Kunststoff, Horn, Elfenbein, Holz, oder Exoten in Filz, Stein oder Metall gefertigt und wird zum Anreißen oder Schlagen der Saiten von Zupfinstrumenten verwendet. Bei den Kunststoff-Plektren sind die am häufigsten verendeten Materialien Zelluloid, Tortex, Delrin, Nylon und Ultex. Jedes Material hat eine besondere Spieleigenschaft.

 

 

 

Schildpatt-Plektren wurde früher für Mandolinen-Plektren empfohlen und verwendet. Das Material ist hart und dabei doch elastisch. Selbst dünnere Plektren sind spielbar. Leider werden diese Plektren schnell schartig und benötigen dann Pflege in Form von Schleifen und polieren (nicht mehr erhältlich). Noch bis in die 70ziger Jahre konnte man sogar noch echte Schildpatt-Plektren erstehen, die inzwischen aus tierschutzrechtlichen Gründen vom Markt verschwunden sind. Es gibt aber inzwischen genug Kunststoffe, die fast die gleichen Eigenschaften wie ihr Original aufweisen. Es muss also nicht mehr eine Schildkröte das Leben lassen, wenn Plektren gebraucht werden. (Es gibt noch Spieler, die aus alten Schildpatt-Knöpfen sich ihr Plektron selbst schleifen. Oder da gibt es auch Spieler, die sich aus ausgedienten Plastik-/Geld-/Kundenkarten selbst ihr Spezial-Plektron basteln (Das ist mir aber nur aus dem Kreis der Flattop-Mandolinen-Spieler bekannt).

 

Zelluloid-Plektren waren lange Zeit die gebräuchlichsten Plektren. Inzwischen sind auch sie wieder im Kommen. Genau wie Schildpatt-Plektren nutzen sich Plektren aus Zelluloid schnell ab. Ihre Gebrauchsspuren müssen ebenfalls weggeschliffen werden. (z.B. Fender, Tortoise Todd’s)

 

Tortex-Plektren der Firma Dunlop haben sich gut durchsetzen können. Ihr Kunststoss Delrin/Acetal kommt den Materialeigenschaften des Schildpatt sehr nahe. Unzählige Formen, Stärken und Farben sind hier erhältlich.

(z.B. Dunlop Tortex, Clayton Acetal)

 

Carbon-Nylon Plektren sind noch recht neu auf dem Markt. Man sollte sie erst zurecht schleifen. Sie habe gute Spieleigenschaften und zeigen kaum Abnutzungsspuren. (z.B. Pickboy Carbon Nylon)

 

Federkiel-Plektren werden speziell auf Barock-Mandolinen gespielt, um den typischen Klang zu erhalten. Die Spitze einer Gänsefeder wird gespalten, zugeschnitten und geformt. Leichte Fransen an der Spitze müssen erst „eingespielt“ werden.

 

 

 

Es gibt inzwischen eine Unmenge von verschiedensten Modellen in unterschiedlichen Formen, Grössen, Stärken und Materialien, sodass sich für jedes Instrument, Spielweise und Spieler das Richtige finden lässt. Die Standardform ist die Tropfenform (die wohl häufigste), dann wäre da noch die Dreiecksform und die „Sharkfin“ (für Gitarristen).

 

Auch die Form der Spitze beeinflusst den Klang. Eine runde, breite Form ermöglicht zwar ein schnelles Spiel, aber das geht auf Kosten der Brillanz. Eine dünne, schmale Spitze macht ein schnelles Spiel anstrengender, hat aber mehr Brillanz. Ein Plektron-Rohling gibt da dem Spieler die Möglichkeit, sich „sein“ Plektron so zu formen, wie es ihm beliebt. Durch Schleifen und Polieren erhält das Plektron so seine individuelle Form. Doch auch Standard Plektren lassen sich noch „Tunen“.

Die Hersteller bieten Plektren in verschiedensten Oberflächen an. Beim einen ist die Oberfläche glatter, beim anderen eher rauher. Die Grifffläche ist bei einigen Plektren angerauht, gelocht oder mit einem Korkplättchen beklebt, um besseren Halt zu gewährleisten.

 

Plektren werden in unterschiedlichen Stärken angeboten.

Die Standardstärken sind: 0,60 mm, 0,73 mm, 0,88 mm, 1,00 mm, 1,14 mm, 1,38 mm, 2,00 mm und 3,00 mm.

Es gibt aber auch Zwischenstärken wie Extra Light (besonders dünn), Light Medium (mittlere dünne Stärke), Medium Heavy (mittlere Stärke), Extra Heavy (besonders dick).

 

Plektren werden in drei Hauptstärken unterteilt:

 

Thin/Light (dünn)

Dies Plektron gibt beim Anschlagen der Saiten nach, also benötigt man weniger Kraftaufwand. Der Ton ist weich. Es eignet sich für Rhythmusspiel, weniger für Melodie, denn der kommt Ton weniger differenziert durch den Energieverlust beim Anschlag.

 

Medium (mittel)

Das Plektron ist flexibel und doch fest genug, um ein dynamische Spiel zu erzeugen. Es ist der Standard.

 

Heavy (dick)

Das Plektron ist recht unflexibel/fest. Es erzeugt einen vollen, kräftigen Klang und ist eher nur für erfahrene Spieler geeignet. Eine hohe Feinmotorik ist nötig, um ein sauberes Spiel zu erreichen.

 

 

Sonderfall Filz-Plektron

 

Ich halte es für ein praktisches Übungsplektron. Der Ton ist nicht so laut (das freut so manchen Nachbarn). Durch den leisen Ton, den das Filzplektron erzeugt, versucht man instinktiv, das mit einem kräftigerem Anschlag auszugleichen. Das Filz-Plektron mit seiner dicken Spitze hilft, nicht zu tief in die Saiten zu gehen, weil es sonst hängenbleiben würde. Man gewöhnt sich das „Spitzenspiel“ an.

 

 

Die Wahl des Plektrons

 

Man sollte da keinen Glaubenskrieg daraus machen. Ein paar grundsätzliche Dinge sollte man jedoch schon beachten. Zum ersten wären da das Instrument, das bespielt werden soll. Das Plektron sollte natürlich dazu passen. Möchte man die Musik so klingen lassen, wie es in der Zeit der Komposition und des Instrumentes  geklungen hat, so sollte man ein Plektron wählen, das in dieser Zeit verwendet wurde. So würde man zum Beispiel die Barock-Mandoline mit einem Federkiel spielen, um den typischen Klang wiedergeben zu können. Eine romantische Mandoline wie eine Calache oder Embergher würde mit einem Schildpatt-Plektron (oder seinem neuzeitlichen Pendant) gespielt werden. Moderne Mandolinen wie zum Beispiel eine „Seiffert“-, „Moll“- oder „Guriema“-Mandoline werden heute gerne mit einem „Wolle-Plektron“ gespielt (entwickelt von Prof. Marga Wilden-Hüsgen und Detef Tewes).

Ein Plektron muss auf jeden Fall gut in der Hand liegen und darf keine Probleme beim Anschlag bereiten. Ob gross oder klein, ob mit oder ohne Profil, muss jeder selbst ausprobieren.

 

 

Pflege des Plektrons

 

Auch das Plektron bedarf einer gewissen Aufmerksamkeit.

•Es darf nicht schartig sein. Das verursacht heftige Nebengeräusche

bis hin zum Hängenbleiben an Saiten.

•Es sollte möglichst auf beiden Saiten gleichmässig gerundet/angeschrägt sein,

  damit beide Plektren-Seiten gleich bespielbar sind.

• Da ist dann Handarbeit angesagt (siehe Schleif-Anleitung für ein Wolle-Plektron)

 

Es gibt einige Plektren, die NICHT völlig glatt sein dürfen, sonst erzeugen sie keinen guten Ton. Dort ist es so wie beim Violinbogen, der etwas Colophonium für ein leichtes Anrauhen benötigt, um den Ton aus der Saite zu locken.

 

 

Die Lebensdauer

Die Lebensdauer von Plektren hängt vom Material ab. Ein Kunststoff-Plektron nutzt sich schneller als ein Knochen- oder Hornplektron. Wird die Spitze zu rund oder schartig, kann man sie wieder zurecht schleifen. Faustregel: je härter das Plektron-Material ist, um so grösser ist seine Haltbarkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Federkiel-Plektron, mit Tesafilm-Verstärkung

Wolle-Plektron

Mock Turtle

Old Fashioned Tortoise Shell

Schildpatt, original

Belcanto Bakelit und Belcanto Hartgummi

Bone Sculpture        John Pearse, Palisander

Galli Celluloid         Fender, Heavy, Celluloid

ACHTUNG! Plektren-Sammeln wird manchmal zur Sucht.

 

 

 

 

 

Carbon-Nylon                  Clayton, Acetal

Dunlop Delrin

Kasho, Sonderform mit „Stütze“

und Standard-Version

d’Andrea, Nylon

Filz-Plektron

Wegen-Plektron, Dreieck

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