HMO Tutorial

Saitenwechsel

Die drei „S”-Saitenwechsel

 

Immer wieder die oft gestellte Frage: „Wie oft sollte ich die Saiten wechseln?“ und „Wie macht man das?“

 

Dieses Tutorial soll da Hilfestellung sein. Sie ist nicht die Bibel.

 

Wie oft muss man die Saiten wechseln?

Für einen Durchschnittsspieler gilt die Faustregel ca. alle 6 Monate. Dann haben die alten Saiten keine Brillanz mehr und erinnern oft eher an Gummibänder. Allerdings ist dies auch eine Frage des Anspruches an den Klang. Nicht selten sind die Saiten oxidiert, rostig und matt. Das ist ein optischer Hinweis auf überalterte Saiten. Letztendlich hängt es sehr stark von der Art und Weise ab, wie und wie oft man auf dem Instrument spielt. Profis, die sehr viel üben, wechseln auch schon mal häufiger. Länger als ein Jahr sollte eigentlich keine Saite auf dem Instrument verbleiben.

 

Wechseln sollte man im Idealfall den ganzen Satz, denn dann passen die Saiten klanglich am besten zusammen. Den älteren Satz kann man als Reserve noch aufbewahren und dann als Ersatzsaiten verwenden, denn diese Saiten „stehen“ schnellen und müssen nicht ständig nachgestimmt werden. Zur Sicherheit und eigenen Beruhigung sollte man wenigstens einen neuen Saitensatz immer in Reserve haben. Aber bitte, keine großen Lager anlegen, wenn es mal sehr preiswerte Saiten gibt. Auch diese neuen noch verpackten Saiten altern und verlieren an Brillanz.

 

Was brauche ich dazu?

Natürlich erst mal neue Saiten. Bei uns im Orchester werden vor allen Dingen geschliffene Saiten verwendet, meist Thomastik. Sie verursachen weniger Nebengeräusche beim Anschlag mit dem Plektron. Man sollte für seine eigenes Instrument ausprobieren, welche Saiten den besten Klang haben. Für eine Konzert-Mandoline benötigt man Saiten mit Schlinge. Bluegrass-Mandolinen haben in der Regel einen kleinen Ball/Ring am Ende.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Hilfsmittel sollte bereitliegen:

• ein Tuch (zum Ablegen des Instrumentes)

• eine Wirbelkurbel

• ein kleiner Seitenschneider

  oder Nagelknipser

• eine kleine Zange (um die Saiten am Wirbel

  zu fixieren)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wechsle ich Saiten?

Als erstes - die alten Saiten müssen runter.

Den Saitendämpfer, sofern einer benutzt wird, entfernt man. Der verhindert zu starkes Schwingen der Saiten hinter den Steg und mindert so Störgeräusche.

Ein Hilfsmittel wie eine Wirbelkurbel (es gibt da eine reichliche Auswahl aus Holz, Metall oder Kunststoff) sollte sich immer im Instrumentenkoffer/Tasche befinden. Das spart Zeit und verhindert lahme Hände. (siehe Abbildungen)

 

Zwei Möglichkeiten bieten sich an:

 

Die erste Variante:

Alle Saiten gleichzeitig runter nehmen. Das machen wir in diesem Tutorial, da das Instrument gründlich gereinigt werden soll.

Dafür markiert man die Steg-Position. Das geht gut mit einem leicht ablösbaren Klebestreifen oder einem wasserlöslichen Stift (abwischen nicht vergessen). Das erleichtert die Neupositionierung des Steges mit den neuen Saiten. Ein erfahrener Saitenwechsler bekommt das auch ohne Markierung aus. Bei dieser Methode ist eine Reinigung von Instrument und Wirbeln einfacher (siehe auch Tutorial Nr. xxx, in Arbeit).

 

Die Zweite Variante (ohne Markierung):

Erst die tiefen Saiten von innen nach außen oder hohen Saiten von außen nach innen entfernen. Dadurch bleibt die Steg-Position erhalten. Ist die erste Hälfte der Saiten aufgezogen, kann man die restlichen alten Saiten entfernen und durch die neuen Saiten ersetzen.

 

 

 

 

Wie man hier sieht, hat dies Instrument eine gründliche Reinigung sehr nötig. Darüber hinaus müssen hier die abgespielten Bünde abgeschliffen bzw. ersetzt werden. Mit solchen Bünden bekommt man keinen sauberen Ton mehr von dem Instrument.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Befestigen der Saiten an der Korpusseite:

Zuerst hängt man die Saite mit der Öse in den entsprechenden Haken. Die Schlinge/Öse kann man sich vorher etwas zurechtbiegen, damit sie leichter eingehakt werden kann (siehe Abbildung).

 

 

 

 

 

1. Man schiebt die Saite unter den Ärmelschutz (sofern vorhanden) durch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Die Seite etwas biegen, dnan lässt sie sich besser einhaken.

 

 

 

 

 

 

 

3. Mit dem Finger etwas festhalten, damit die Saite nicht wieder vom Haken rutscht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Befestigen der Saiten an der Kopfseite:

Am Kopf wird die Saite beim entsprechenden Wirbel in das Wirbelloch eingefädelt. Knoten sollte man besser nicht machen. Knoten ziehen sich so fest zu, das man sie nur sehr schwer wieder lösen kann. Besser ist eine dieser beiden Arten der Befestigung. (siehe schematische Abbildungen). Bei den dicken tiefen Saiten gegen die Wirbeldrehung 1x durch die Wirbelbohrung führen.

 

 

Für die dünnen hohen Saiten 2x in einer „8“ gegen die Wirbeldrehung einfädeln. So siehen sich die Saiten von selbst fest.

 

 

 

Man kann die Saiten auch verzwirbeln (miteinander verdrehen, aber das ist bei sperrigen Stalhsaiten nicht ganz einfach - und sieht auch nicht so ordentlich aus.

 

 

 

1. Einfädeln der Saite in die Wirbelbohrung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Durchfädeln nach unten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Saiten von unten aufnehmen und zwischen den zwei Wirbelachsen nach oben schieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Detail-Fotos des Durchfädelns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Saite sollte nicht vollständig aufgewickelt werden. 1-2 Wicklungen reichen völlig (siehe Abbildung). Dazu muss die Saite vor dem Aufwickeln um die Achse noch recht locker sein (2–4 cm Spielraum). Die Hand senkrecht gestellt (3–3 Finger) gibt die Länge vor.

Zum einen kurbelt man sich sonst einen „Wolf“ und der Saitenwechsel dauert sonst sehr viel länger. Zum anderen dehnen sich die Saiten dann viel zu sehr nach und rutschen ständig nach. Dadurch ist die Stimmung dann lange instabil. Ordentlich gewickelte Saiten sehen ja auch ansprechender aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

ACHTUNG!

Wickelrichtung der Achse beachten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind alle Saiten grob gestimmt, werden die überstehenden Saitenenden an den Wirbeln mit einem Seitenschneider oder auch Nagelknipser nicht zu knapp abgeschnitten (siehe Abbildung).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier noch ein Tipp:

Wenn man das Instrument zwischen die Beine klemmt, hat man beide Hände frei zum Saitenaufwickeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steg platzieren:

Den Steg nun unter die noch etwas laschen Saiten schieben bis er etwa an der alten Position sitzt.

 

 

 

 

 

Nun muss er noch nachjustiert werden, sonst ist das Instrument nicht bundrein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist leicht zu prüfen. Man setzt den Finger im 12. Bund fest auf (siehe Abbildung). Es sollte nun im Idealfall eine saubere Oktave zu hören sein. Das macht man sowohl mit der höchsten als auch mit der tiefsten Saite. Sollte die Oktave nicht sauber sein, verschiebt man den Steg minimal etwas nach hinten oder mehr zum Schallloch, bis die Oktave sauber klingt (siehe Abbildung).

Dazu muss die Mandoline noch nicht gestimmt sein, denn der Steg lässt sich leichter verschieben, wenn die Saiten noch nicht die volle Spannung haben.

 

 

 

 

 

 

Flageolet am 12. Bund zur Kontrolle.

Hat man keine reine Oktave in dieser Finger-Position, so muss der Steg noch etwas versetzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Feinstimmung:

Sind die neuen Saiten erst mal aufgezogen, erleichtert man das Stimmen durch Anheben der Saite mit dem Daumen. Dadurch dehnt sich die Saite schneller und kann dann schneller nachgestimmt werden. Mit den heutigen Stimmgeräten ist das ja glücklicherweise sehr viel einfacher geworden.

Je nach Spielintensität dauert es 3 Tage bis zu einer Wochen, bis die Saiten richtig „stehen“ und nicht mehr ständig nachgestimmt werden müssen. Sie haben dann ihre Idealspannung, für die sie entwickelt wurden.

 

Tipp zum Schluss:

Einen Saitenwechsel sollte man mindestens ca. 4 Wochen vor einem Konzert vornehmen und nicht erst 2 Tage vorher.

Nach 4 Wochen sind Saiten dann gut eingespielt (vorausgesetzt, man übt) und stimmstabil. So hat man hat sich dann auch an den neuen Ton gewöhnt.

 

Problem - Häufig reißende Saiten

Sicher, gelegentlich kann es sich um Materialfehler oder einfach altersbedingte Ermüdung der Saiten handeln (oder zu hoch gestimmt ;-}).

Reist aber immer die gleiche Saite, hat das andere Gründe. Das kann ein zu scharfer Grat am Sattel oder Steg die Ursache sein.

 

Ein leichtes Abschleifen schafft da Abhilfe. Sehr selten kann es auch ein zu steiler Winkel zwischen Kopf- und Griffbrett die Ursache sein. Die Saite wird dadurch zu stark geknickt und ist so im Knick zu hohen Belastungen ausgesetzt - die Folge - die Saite reißt. Da hilft dann ein Instrumentenbauer, der den Winkel korrigiert.